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Hypotone Kreislaufschwäche bei Konzert

2026-07 – Großveranstaltung (Konzert) – Rolle: Sanitäter

Verlauf

Ausgangslage

Sanitätsdienst in der Nähe der Bühne stationiert. Wurde zu einer Person (geschätzt 40-50 Jahre) in die VIP-Zone gerufen. Patient:in saß schwach am Rand, hatte die Beine bereits auf einen zweiten Stuhl hochgelagert. Kommunikation mit Patient:in, Begleitperson und zwischen den Sanitätern durch extreme Konzertlautstärke erheblich erschwert.

Maßnahmen

Ansprache, Vitalzeichenkontrolle. Versuch der RR-Messung auskultatorisch (nicht möglich wegen Konzertlautstärke), daher palpatorische Messung. SpO2-Messung, Pulskontrolle, Beurteilung Rekapzeit (erschwert durch Beleuchtung). Anamnese durch Kollegen mit Begleitperson. Kältekompresse ausgehändigt (Patient:in nutzte diese im Halsbereich). Zusätzliche Flüssigkeitsgabe (0,5 l Sprudel). Angebot zur Begleitung ins Behandlungshilfezentrum (BHZ) zum Ausruhen. Hinweis an Patient:in und Begleitperson, wo der Sanitätsdienst stationiert ist und dass sie sich bei Verschlechterung melden sollen.

Geschehnisse

Patient:in war bei Ankunft wach und ansprechbar, wirkte aber sehr schwach und sprach nur leise. Begleitperson gab an, dass Patient:in bekannterweise einen niedrigen Blutdruck habe. Patient:in lehnte Angebot zur Begleitung ins BHZ ab und blieb vor Ort.

ABCDE-Schema (strukturierte Patientenerstuntersuchung)

A – Airway (Atemweg)
Atemweg frei.
B – Breathing (Atmung)
Atmung unauffällig, SpO2 97%. Atemfrequenz nicht ausgezählt. Atemgeräusche aufgrund der Konzertlautstärke nicht beurteilbar.
C – Circulation (Kreislauf)
Puls 90/min. RR palpatorisch ca. 90 mmHg systolisch (auskultatorische Messung aufgrund Lautstärke nicht möglich). Rekap-Zeit (Wiederauffüllungszeit der Kapillaren) in Ordnung (Beurteilung durch Beleuchtungssituation erschwert). Hautfarbe und Durchblutung ohne erkennbare Auffälligkeiten.
D – Disability (Neurologie)
Wach, ansprechbar, orientiert. Wirkte schwach, sprach sehr leise. Pupillenkontrolle und Blutzuckermessung nicht dokumentiert.
E – Exposure / Environment
Patient:in saß auf einem Stuhl mit hochgelagerten Beinen (auf zweitem Stuhl). Hatte Getränk und Eis zur Hand. Nutzte Kältekompresse im Halsbereich. Keine äußeren Verletzungen erkennbar. Witterung: Nach leichtem Regen und aufgrund der späten Zeit bereits wieder kühler. Beurteilung der Rekap-Zeit (Wiederauffüllungszeit der Kapillaren) dadurch erschwert (Kälte verlängert Rekapzeit unspezifisch).

SAMPLER (standardisierte Patientenbefragung)

S – Signs/Symptoms (Symptome):
Allgemeine Schwäche, Hypotonie (Niedriger Blutdruck). Patient:in wirkte kraftlos und sprach nur leise.
A – Allergies (Allergien):
Keine Angaben zu Allergien dokumentiert.
M – Medications (Medikamente):
Keine Angaben zu Medikamenten dokumentiert.
P – Past history (Vorgeschichte):
Bekannte Hypotonie (Niedriger Blutdruck) (niedriger Blutdruck) laut Begleitperson.
L – Last meal (Letzte Mahlzeit):
Patient:in hatte Getränk und Eis zur Hand. Zusätzlich 0,5 l Sprudel vom Sanitätsdienst erhalten. Keine Angaben zur letzten Nahrungsaufnahme.
E – Events (Ereignisablauf):
Großveranstaltung (Konzert), VIP-Bereich. Patient:in hatte sich bereits selbst mit hochgelagerten Beinen positioniert, bevor Sanitätsdienst eintraf.
R – Risk factors (Risikofaktoren):
Bekannte Hypotonie (Niedriger Blutdruck). Mögliche weitere Faktoren: Großveranstaltung im Sommer, längeres Stehen/Sitzen, ggf. unzureichende Flüssigkeitszufuhr (nicht dokumentiert).

Nachbetrachtung

Zusammenfassung

Patient:in mit bekannter Hypotonie (Niedriger Blutdruck) bei Großveranstaltung mit Kreislaufschwäche. RR palpatorisch ca. 90 mmHg systolisch, Puls 90/min, SpO2 97%. Patient:in war wach und ansprechbar, wirkte aber schwach. Hatte sich bereits selbst mit hochgelagerten Beinen positioniert. Lehnte Angebot zur Begleitung ins BHZ ab und blieb vor Ort.

✅ Gut gelaufen

  • Patient:in hatte sich bereits selbst korrekt positioniert (Beine hoch) und Flüssigkeit zur Hand
  • Pragmatische Anpassung der Untersuchung an die Umgebungsbedingungen (palpatorische statt auskultatorischer RR-Messung)
  • Anamnese durch Kollegen mit Begleitperson geführt
  • Kältekompresse und zusätzliche Flüssigkeit (0,5 l Sprudel) als unterstützende Maßnahmen gegeben
  • Angebot zur weiteren Versorgung im BHZ gemacht
  • Autonomie der Patient:in respektiert (Ablehnung des BHZ-Angebots)
  • Klare Nachsorge-Anweisung: Patient:in und Begleitperson wurde mitgeteilt, wo Sanitätsdienst stationiert ist und dass sie sich bei Verschlechterung melden sollen

🔧 Was wir besser machen können

  • Schocklagerung (Flachlagerung mit Beinhochlagerung) wäre bei Hypotonie (Niedriger Blutdruck) effektiver als sitzende Position mit hochgelagerten Beinen - verbessert venösen Rückstrom zum Herzen optimal. Im Nachgespräch als Lernpunkt identifiziert.
  • Persönliche Reflexion: Vorgehen war zu hektisch. ‘Slow is smooth, smooth is fast’ - ruhiges, systematisches Vorgehen ist effizienter und fehlerärmer. Positiv: War entspannter als bei vorherigen Einsätzen (Fortschritt erkennbar).
  • Kommunikation bei extremer Lautstärke: Handzeichen absprechen, näher an Patient:in herangehen, ggf. kurzzeitig an ruhigeren Ort (z.B. ins BHZ) für vollständige Anamnese
  • Vollständigere SAMPLER-Erhebung: Letzte Nahrungsaufnahme, Medikamente, genauere Symptomdauer (war durch Lautstärke und Patient:in’s leise Stimme zusätzlich erschwert)
  • Blutzuckermessung hätte differentialdiagnostisch sinnvoll sein können (Hypoglykämie (Unterzuckerung) ausschließen), insbesondere da keine Angaben zur Nahrungsaufnahme
  • Dokumentation: Bei erschwerter Untersuchung (Lautstärke, Beleuchtung) explizit vermerken, was nicht beurteilbar war und warum
  • Konkrete Verhaltensempfehlungen aussprechen: Weiter trinken, sitzen bleiben, nicht ins Gedränge gehen, Anzeichen einer Verschlechterung erkennen

Fazit

Typischer Einsatz bei Großveranstaltung mit einer Patient:in mit bekannter Hypotonie (Niedriger Blutdruck) und daraus resultierender Kreislaufschwäche. Die Untersuchung war durch die Umgebungsbedingungen (Lautstärke, Beleuchtung) erschwert, wurde aber pragmatisch angepasst (palpatorische RR-Messung).

Wichtige Lernerfahrung: Bei Großveranstaltungen sind vollständige Untersuchungen oft nicht möglich. Man muss mit den verfügbaren Mitteln arbeiten und die Grenzen der Untersuchung kennen und dokumentieren. Die extreme Lautstärke erschwerte nicht nur die Untersuchung (Atemgeräusche, auskultatorische RR-Messung), sondern auch die gesamte Kommunikation - sowohl mit Patient:in und Begleitperson als auch zwischen den Sanitätern. Dies erklärt teilweise die unvollständige SAMPLER-Erhebung. Bei zukünftigen ähnlichen Einsätzen: Handzeichen im Team absprechen, näher an Patient:in herangehen oder bei stabilen Vitalzeichen Anamnese an ruhigerem Ort führen.

Die Patient:in zeigte gutes Selbstmanagement durch frühe Selbstpositionierung mit hochgelagerten Beinen. Bei bekannter Hypotonie (Niedriger Blutdruck) und stabilen Vitalzeichen ist ein konservatives Vorgehen (Beobachtung, Flüssigkeitszufuhr, Beine hoch) oft ausreichend. Wichtig ist, Patient:in und Begleitperson klare Anweisungen zu geben, wann erneut Hilfe gesucht werden sollte.

Wichtige Lernerfahrung aus der Nachbesprechung: Eine Schocklagerung (Flachlagerung mit Beinhochlagerung) wäre bei Hypotonie (Niedriger Blutdruck) effektiver gewesen als die sitzende Position. Die Flachlagerung verbessert den venösen Rückstrom zum Herzen optimal und stabilisiert den Kreislauf besser. In der Einsatzsituation (VIP-Zone, Konzert) wurde die sitzende Position mit hochgelagerten Beinen akzeptiert, aber bei zukünftigen ähnlichen Fällen sollte aktiv eine Flachlagerung angeboten oder empfohlen werden.

Eine vollständigere SAMPLER-Erhebung (insbesondere Nahrungsaufnahme) und eine Blutzuckermessung hätten die Beurteilung verbessern können, um andere Ursachen der Schwäche auszuschließen.

Persönliche Entwicklung: Das Vorgehen war noch zu hektisch - das Prinzip “Slow is smooth, smooth is fast” muss weiter verinnerlicht werden. Hektik führt zu übersehenen Details und suboptimalen Entscheidungen. Positiv ist jedoch, dass die Einsatzroutine zunimmt und die Nervosität gegenüber vorherigen Einsätzen abgenommen hat. Mit jedem Einsatz wächst die Erfahrung und die Fähigkeit, ruhig und strukturiert vorzugehen.